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Auf Beobachtungsposten in der Grauzone

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Mannimaker ist Kontrolleur der ASEAG und Großmeister des Verkleidens. Mal entspricht seine Kleidung exakt dem Muster der Sitze, mal erwacht urplötzlich die Stange für das eTicket-Lesegerät zum Leben und bittet zur allgemeinen Fahrkartenkontrolle.

„Ich beobachte ja jetzt schon einige Jahre Leute, die ohne Fahrschein mit unseren Bussen herumgondeln. Und das eine sag ich Euch: Schwarzfahrer ist nicht gleich Schwarzfahrer. Meine Erfahrung sagt mir, dass es drei Sorten dieser Spezies gibt:

Graufahrer: Sie würden nie Schwarzfahren! Sie verlieren bloß ihr Ticket oder vergessen ihren Fahrausweis zuhause, gelegentlich vergessen sie auch ihren Namen. Schwere Krankheiten wie Alzheimer, Verliebtheit oder Prüfungsstress erklären diese von Zeit zu Zeit auftretende Nachlässigkeit. Sie haben einen faszinierenden Augenaufschlag, eine Art Mischung aus Unschuld und Erstaunen. Tatsächlich ist es mir fast schon zu einfach, diese Sorte zu erwischen. Einmal kurz an der Schulter angetippt, hören sie gar nicht mehr auf, zu erzählen.

Dunkelgraufahrer: Diese selbstbewusste Spezies hat Ambitionen, macht aber einen entscheidenden Fehler: Sie denken, sie wären bereits Schwarzfahrer. Es reicht aber nicht, einfach nur kein Ticket zu kaufen. Man muss auch ein gutes Deo haben, falls man zu Schweißausbrüchen neigt. Man sollte sich wenigstens den Arm in einen Gips packen, wenn man in Versuchung kommt, hektisch in den Taschen zu wühlen. Sie glauben tatsächlich, sie wären Hauptdarsteller eines Agententhrillers. Und doch erkenne ich sie schon von weitem. Meine Quote liegt bei nahezu 100 Prozent.

Tiefschwarzfahrer: Sie sind Profis, gewieft und total abgebrüht. Stellenweise haben sie bessere Kostüme als ich. Sie verkleiden sich als Fahrräder, Babys, Hunde oder Kontrabässe und hoffen so, der Zahlpflicht zu entgehen. Selbst in die Enge getrieben, haben sie immer noch einen Plan B, der ihnen einen Ausweg bietet. Und wenn sie nicht so eine enorm hohe kriminelle Energie besäßen, würde ich sie sogar ein klein wenig für ihre Brillanz bewundern. Tue ich aber nicht. Stattdessen arbeite ich ihretwegen tagtäglich daran, eine noch schärfere Beobachtungsgabe zu entwickeln. Sie sind der Grund, warum mich mein Job niemals langweilen wird.

Aber ganz gleich, ob Spezies Graufahrer, Dunkelgraufahrer oder Tiefschwarzfahrer: Wenn ich Ihr wäre und Ihr wäret ich, dann würde ich auf jeden Fall eine Fahrkarte kaufen. Die Chancen in der Schwarzfahr-Lotterie stehen einfach viel zu schlecht.

Kommentare

Hugo schreibt am 05.08.2019 21:55 Uhr

Wann können die Kontrolleure eigentlich die Gültigkeit der eTickets kontrollieren. Es erscheint mir etwas sinnfrei, sich eine möglicherweise ungültige Plastikkarte zeigen zu lassen

Manni Familie schreibt am 06.08.2019 17:28 Uhr

Hallo Hugo,

unsere Kontrolleure können die Gültigkeit der eTickets jederzeit kontrollieren – mit einem Kontrollgerät, dass Sie bei sich tragen.
Das Gerät zeigt an, ob das eTicket gültig oder ungültig ist. So machen Kontrollen schon Sinn, denn kein Fahrgast sollte ohne Ticket unterwegs sein.

Freundliche Grüße,
Mannimaker

Ampelfreak schreibt am 08.08.2019 21:27 Uhr

Bei der Stelle mit Tiefschwarzfahrer und Kontrabass musste ich lachen, erinnert mich aber auch an eine Szene aus dem Song "is mir egal" wo sich ein Schwarzfahrer als Fahrkartenautomat verkleidet hat. Ich bin schon gespannt auf weitere Blogbeiträge

Manni Familie schreibt am 09.08.2019 15:51 Uhr

Hallo Ampelfreak,

schön, dass Dir meine Geschichte gefällt – ich freue mich auch vor jeder Schicht auf die neuen Verkleidungen unserer Fahrgäste.

Freundliche Grüße,
Mannimaker

P.S.: Hier geht’s BVG Song „is mir egal“: https://www.youtube.com/watch?v=xvcpy4WjZMs

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